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Therapiedecken, auch Gewichtsdecken genannt, werden in letzter Zeit immer beliebter. Sie werden als Einschlafhilfe vermarktet und viele Menschen berichten von positiven Erfahrungen damit.

In Diesem Artikel erfährst Du, was Therapiedecken sind, wie sie wirken, welche Anwendungsgebiete es dafür gibt und was unsere Erfahrungen damit sind.

Wie funktionieren Therapiedecken?

Wie Du vielleicht schon mitbekommen hast, ist das Hauptmerkmal von Therapiedecken ihr Gewicht. Durch diese Schwere, die im ersten Moment etwas ungewöhnlich und neu wirken kann, wird ein Gefühl der Entspannung erzeugt. Dadurch soll das Gefühl einer Umarmung nachempfunden werden und Du Dich damit wohlfühlen.

Der Druck der Decke wirkt auf Deine Muskeln, Sehnen und Gelenke. Diese entspannen sich dadurch und Du kommst sowohl körperlich als auch innerlich zur Ruhe. Insgesamt wirkt das Gewicht auf Deine Rezeptoren und Sinne, die Wahrnehmung Deines Körpers wird damit gestärkt.

Hilfreich ist das vor allem dann, wenn Du (abends) oft angespannt bist, gestresst, nicht abschalten kannst. Die genauen Anwendungsgebiete schauen wir uns aber gleich noch an.

Wie schwer sind Therapiedecken?

Dieses Gefühl der Entspannung tritt erst bei einem bestimmten Gewicht der Decken ein. Sind sie zu leicht, fühlt sich das nicht wie eine Umarmung an, sondern mehr wie eine gewöhnliche Decke, nur etwas schwerer. Das richtige Gewicht ist also entscheidend, wenn die Therapiedecke auch wirken soll.

Als Faustregel gilt: Das Gewicht der Decke sollte 10 % Deines Körpergewichts ausmachen. Gewöhnliche Therapiedecken sind daher 6 kg, 8 kg, 10 kg oder 12 kg schwer.

Anwendungsgebiete

Für wen sind Therapiedecken geeignet? Ist eine Decke das Richtige für Dich? Die Wirkung der Therapiedecken sowie bisherige Studien (weiter unten im Artikel) legen vor allem folgenden drei Anwendungsgebiete und Personengruppen nahe.

Schlafen

Ruhigeres Schlafen und vor allem besseres und schnelleres Einschlafen ist wohl das Hauptanwendungsgebiet und wird auch von den Herstellern so beworben.

Anbieter der Decken schreiben zudem häufig, dass der durch die Decke erzeugte Tiefendruck dafür sorgt, dass unser Körper mehr Serotonin (Glückshormon) produziert. Dies wiederum ist wichtig für die Produktion des Schlafhormons Melatonin, was uns gut und schnell einschlafen lässt. Das stimmt. Zur Veranschaulichung ein kleines Beispiel:

Die Decke ahmt körperliche Nähe, eine Umarmung und Nähe nach. In diesen Situationen fühlen wir uns gut, fühlen wir uns geborgen und unser Körper schüttet Serotonin aus.

Aus eigener Erfahrung kann ich noch hinzufügen, dass die Gewichtsdecke auch deshalb beim Einschlafen hilft, weil man sich gar nicht mehr sooo aktiv bewegen kann. Schließlich liegen da plötzlich einige Kilo auf mir. Da fällt es schwer, mit den Beinen zu spielen, oder sich dauernd von links nach rechts zu bewegen. Logisch, dass man da schneller einschläft, oder?

Stress | Angststörungen

Gewichtsdecken beruhigen. Dieser Nutzen ist nicht auf das Schlafen und das Bett beschränkt. Sinnvoll und hilfreich ist die Decke auch als Couchdecke nach einem stressigen Tag. Ab unter die Decke, ein Buch lesen, entspannen und zur Ruhe kommen.

Auch, wer unter Angststörungen leidet, kann von einer schweren Decke profitieren. Der durch die Decke erzeugte Druck gibt ein Gefühl der Geborgenheit.

ADHS | Autismus

Der Begriff der Therapiedecke kommt nicht von ungefähr. Diese Decken haben ihren Ursprung in der Therapie von Kindern mit ADHS, Autismus oder anderen Erkrankungen, die

  • Überempfindlichkeit
  • erhöhten Bewegungsdrang
  • Wahrnehmungsstörungen oder
  • Ängste

erzeugen.

Zusammengefasst ist die eine Therapiedecke immer dann sinnvoll, wenn Du zur Ruhe kommen möchtest. Unerheblich, ob aus Krankheitsgründen, Stress, etc.

Dabei kann die Decke unterstützend wirken. Natürlich sollten dann auch möglichst viele weiteren Faktoren und Reize von außen entspannend wirken.

Die Therapiedecke nutzt wenig, wenn Deine Umgebung weiter Unruhe und Hektik auf Dich ausstrahlt. Aber das ist ja klar.

Kosten

Vorneweg: Günstig sind Therapie- und Gewichtsdecken keineswegs. Die weiter unten im Artikel getestete Decke von Gravity kostet zum aktuellen Zeitpunkt (28.03.19) 249,00 Euro.

Es gibt auch Decken, die bereits ab 120,00 Euro zu haben sind. Ich habe noch nicht vollständig herausgefunden, wie diese krassen Preisunterschiede zustande kommen. Meist liegt einerseits an der Herstellung (Europa oder Asien) und an der Qualität der in der Decke verarbeiteten Glasperlen.

Am Ende musst Du selbst für Dich abwägen, ob sich der Preis für Dich lohnt und wie viel Dir guter Schlaf Wert ist. In den Fragen und Antworten am Ende des Artikels kannst Du nachlesen, ob die Möglichkeit besteht, die Kosten für die Decke erstattet zu bekommen.

Erfahrungen

Natürlich kommen wir von Schlafonaut nicht drum herum, eine Gewichtsdecke auch einmal selbst auszuprobieren und testen – im Rahmen unserer Möglichkeiten. In diesem Fall hat Fabian eine Decke einige Tage ausprobiert.

Gravity Therapiedecke

Ich habe mich für die Therapiedecke von Gravity entschieden. Aus dem einfachen Grund, weil es die bekannteste war und auch bei ProSieben getestet wurde. Sie schien mir aufgrund der Produktbeschreibung auch die hochwertigste zu sein. Da ich nicht der Schwerste bin, hat bei mir eine Decke mit 6 kg Gewicht ausgereicht.

Die erste Nacht

Die erste Nacht war noch etwas ungewöhnlich. Auf einmal liegen da mehrere Kilogramm auf mir und ich kann mich nicht mehr so frei bewegen wie sonst. Ich wickele meine Beine gerne an das Ende der Bettdecke ein. Vielleicht kennst Du das? Das war hier dann so nicht mehr möglich. Auch konnte ich mich nicht mehr so frei nach links und rechts bewegen und mich drehen.

Okay. Damit habe ich mich dann abgefunden. Der Druck der Decke ist angenehm. Ich kann nachvollziehen, wenn viele Menschen dies positiv wahrnehmen. Ich habe anschließend normal schnell in den Schlaf gefunden.

In den weiteren Nächten setzte sich das fort. Durch die angenehme Schwere der Decke und die mangelnde Möglichkeit, sich zu bewegen, wird man irgendwie auch unterbewusst gezwungen, schnell einzuschlafen. Ich habe jedenfalls in jeder Nacht gut und schnell in den Schlaf gefunden.

Meine Befürchtung, dass man aufgrund der doch recht dicken und kuscheligen Decke stark schwitzt, wurde nicht bestätigt. Da sind Daunendecken erheblich schlimmer.

Eine Anmerkung jedoch: Das habe ich vorher ebenso. Ich falle unter keine Personengruppe unter den oben angegebenen Anwendungsgebieten. Auch ohne Therapiedecke kann ich gut einschlafen. die positiven Effekte der Decke habe ich jedoch auch gemerkt und kann sie, denke ich, gut beurteilen.

Gravity Therapiedecke

Studien

Positive Erfahrungsberichte finden sich im Internet zu genügend. Aber hat das Ganze eigentlich auch einen wissenschaftlichen Hintergrund? Schließlich sind Therapiedecken noch relativ neu.

Ja, Gewichtsdecken sind bereits Bestandteil von Studien gewesen. Vor allem dadurch ist die Wirksamkeit, vor allem für den Schlaf, so bekannt geworden.

Zunächst wurden Gewichtsdecken vor allem an Personen getestet, die unter einer Angststörung oder an Autismus leiden. Menschen mit dieser Krankheit haben – krankheitsbedingt – sehr häufig Schlafprobleme. Nachdem hier erste Erfolge erzielt wurden, weitete man die Studien aus und führte sie auch an „normalen“ Personen durch, die unter Schlafprobleme litten.

Dabei zeigte sich unter Verwendung der Gewichtsdecke eine verbesserte Einschlafzeit und eine höhere Schlafqualität. Die Studienteilnehmer berichteten von keinen Nachteilen und schliefen gerne mit der Decke. Insgesamt war der Schlaf ruhiger und erholsamer.

Quellen, u.a.:

  • Positive Effects of a Weighted
    Blanket on Insomnia von Ackerley R, Badre G und Olausson H.
  • Evaluating the Safety and Effectiveness of the
    Weighted Blanket With Adults During an Inpatient
    Mental Health Hospitalization von Tina Champagne, Brian Mullen, Debra Dickson & Sundar Krishnamurty

P.S.

Es gibt auch Studien, etwa bei Kindern mit Autimsmus, die keine positiven Effekte für den Schlaf aufgezeigt haben. Das sei der Vollständigkeit halber hier erwähnt (Quelle)

Es bleibt also ein sehr individuelles Thema. Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Decke Dir hilft, hoch!

Fragen und Antworten

Hier bekommst Du Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Therapiedecken. Sollte ich eine Frage vergessen haben, die Du aber unbedingt beantwortet haben möchtest, kommentiere am besten unter diesem Artikel und ich werde die Frage inkl. Antwort zügig ergänzen.

Gibt es eine Möglichkeit, die Kosten erstatten zu lassen?

Die Möglichkeit liegt nahe, schließlich haben die Decken einen medizinischen Nutzen, wenn sie etwa beim Einschlafen helfen. Offiziell ist mir jedoch keine Krankenkasse bekannt, die die Kosten erstattet. Laut Herstellern der Decken besteht die Möglichkeit, die Aufwendungen im Rahmen der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend zu machen. Das ist dann natürlich vom Finanzamt abhängig, ob dem stattgegeben wird. Ein entsprechendes ärztliches Schreiben, das die Notwendigkeit der Decke belegt, ist in dem Fall hilfreich und sinnvoll.

Gibt es die Decken auch für Kinder?

Ja, die gibt es. Sie sind auch meist erheblich günstiger, weil kleiner und leichter. Auch bei Kinder-Gewichtsdecken gilt die Grundregel, dass sie 10 % des Körpergewichts wiegen sollte. Passende Decken findest Du hier auf amazon. (Werbelink)

Gibt es Personen, für die die Decken NICHT geeignet sind?

Ja, die gibt es. Nicht für jeden Menschen ist es gut, wenn mehrere Kilogramm auf den Körper in der Nacht einwirken. Das gilt vor allem dann, wenn Du unter Problemen der Atemwege oder dem Herzen leidest. Hier solltest Du vorher Deinen Arzt fragen.

Wie wird eine Therapiedecke gereinigt?

Den Bezug kannst Du einfach abnehmen und bei 30°C waschen. Das Inlett, also was nach dem Abzug des Bezuges übrig bleibt, kann theoretisch auch gewaschen werden. Hier solltest Du vorher jedoch schauen, ob Deine Trommel mit dem hohen Gewicht zurecht kommt.

Ist die Decke auch atmungsaktiv?

Stimmt, gute Decken sollen atmungsaktiv sein. Das ist hier gewährleistet. Also alles gut.

Kann man eine Gewichtsdecke auch selber machen?

Theoretisch ja, ist praktisch nur zeitaufwendig. Aber günstiger als ein Kauf ist es in jedem Fall. Vorausgesetzt, Du kannst nähen, benötigst Du dafür nur Stoffreste, Reis zum Befüllen, Baumwollstoff und eine Wolldecke. Du genaue Anleitung findest hier.

Wo kann man Therapiedecken kaufen?

Bei einem solchen (kostspieligen) Produkt bietet es sich ja eigentlich an, es vielleicht einmal in einem Geschäft zu testen. Üblich ist jedoch der Online-Kauf über amazon oder den Hersteller direkt. In handelsüblichen Fachgeschäften wirst Du dieses doch recht neue Produkt auf dem Markt eher weniger antreffen.

Fazit

Therapiedecken sind bestimmt kein Allheilmittel für alle (Ein-) Schlafprobleme. Wenn man sich aber die Wirkungsweise anschaut, sind die vielen positiven Erfahrungsberichte mehr als verständlich.

Wenn Du Dich oben im Artikel unter den Anwendungsgebieten wieder entdeckt hast, macht es schon Sinn, der Decke eine Chance zu geben.

Die meisten Hersteller bieten an, die Decke mehrere Wochen testen zu können. Du kannst also risiklos schauen, ob sie Dir hilft oder nicht.

Schreibe uns gerne Deine Meinung oder Erfahrung mit diesen Gewichtsdecken in die Kommentare. Wir freuen uns immer über Austausch.

Wer schreibt hier
Ich bin Fabian. Zusammen mit Joe möchte ich dir rund um das Thema Schlafen helfen. Unser Ziel ist es, den Schlaf von so vielen Menschen wie möglich zu verbessern. Du findest uns auf YouTube unter „Schlafonaut“.
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